Skip to content

Harvest Moon: Memento Mori

16. März 2011

Der erste Teil der Harvest Moon Reihe ist 1996 für das Super Nintendo erschienen und kam mir damals wie eine revolutionäre Idee vor, einfach weil es nicht ums Kämpfen gegen die Bösen ging, sondern um das einfache Leben mit allen Entscheidungsmöglichkeiten. In der Theorie hat sich das sehr spannend angehört und auch im Nachhinein hebt sich das Spiel stark von den üblichen Bauernhof- und Wirtschaftssimulationen ab.

Denn hier wird nicht der Wirtschaftsbetrieb „Bauernhof“ simuliert, sondern das Landleben. Wenn auch stark idealisiert, um Realismus geht es ja nicht. Kein Bauernhof kommt mit 3 Kühen, 6 Hühnern und vielleicht 10 Tomaten aus. Vielleicht ist es auch eher repräsentativ zu verstehen, wichtig ist einfach, dass man selbst wirklich jede Kuh melkt, sich um alles persönlich kümmert, die Felder bestellt und aberntet. In gewisser Weise steht tatsächlich die sinnliche Erfahrung des Lebens auf dem Bauernhof im Vordergrund (soweit das eben mit dem SNES-Controller mit Steuerkreuz und Tasten möglich ist), wenn auch in sehr abstrakter Form.

Das Ziel des Spiels besteht auch weniger darin einen ertragreichen Bauernhof aufzubauen, als darin sein persönliches Glück zu erreichen. Man nimmt an Dorffesten teil, sucht sich eine Frau, entdeckt die Umgebung, gründet eine Familie und „farmt“ so vor sich hin. Stress gibt es dabei aber auch; ganz so entspannt ist das Landleben nicht unbedingt immer, die Tage sind kurz!

Harvest Moon ist also eher eine Lebenssimulation wie die Sims oder Animal Crossing, welche beide später erschienen sind. Wobei den Sims der sinnliche Aspekt fehlt; man tut die Dinge ja nicht selbst, man gibt nur Befehle und schaut zu. 1996 für das SNES erschienen (in Europa übrigens 1998 ) hat es seit dem viele Nachfolger auf diversen Plattformen gegeben. Viel geändert hat sich nicht: Vielleicht mehr Tiere, überhaupt mehr Möglichkeiten, aber immer eine „knuffige“, idealisierte Vorstellung vom Landleben und Schluss.

Was fehlt sind neue, andere Aspekte des Landlebens. Zum Beispiel der Tod in allen Formen. Keiner der Menschen im Spiel stirbt und auch die Tiere leben quasi ewig. Eine Vanitas Edition wäre mal interessant ( oder auch Harvest Moon: Memento Mori). Der Kreislauf des Lebens könnte dargestellt werden. Menschen werden geboren und sterben, Tiere auch, vielleicht kann man sie auch schlachten und mit dem Fleisch Geld verdienen. Und man selbst nimmt nur ein Menschenleben lang an diesem Kreislauf teil. Allein die Möglichkeit seine Tiere zu schlachten ermöglicht neue Fragestellungen und Thematisierungen!

Lebenssimulationen bieten noch viel mehr Möglichkeiten das menschliche Dasein zu simulieren bzw. gewisse Aspekte dessen abzubilden. Das wird kaum getan, vielleicht weil nur auf oberflächliche Möglichkeitenvielfalt geachtet wird, die verwechselt wird mit höherem Realismus. Was vielleicht fehlt (in Videospiele allgemein) ist eine Auseinandersetzung mit Kunst- und Kulturgeschichte, denn nichts anderes wäre ein Harvest Moon: Memento Mori. Die Harvest Moon Reihe hat seit dem ersten Teil kaum Neues zu bieten (ausgenommen vielleicht noch einzelne Ableger, wie für den Gamecube), nur Oberflächliches ändert sich. Ich warte, wie gesagt, noch auf die Vanitas Edition.

* * *

Noch kurz was zu FarmVille (was ich nie gespielt habe): Interessant ist hierbei eigentlich nur, dass das Spiel mit den echten sozialen Netzwerken der Spieler verbunden ist, man also mit seinen Freunden interagiert. Außerdem noch die Rolle die das Geld bei FarmVille einnimmt: man kann echtes Geld ausgeben, aber nicht erwirtschaften. Insofern (also unter wirtschaftlichen Aspekten) war wohl einzig Second Life die konsequente Weiterentwicklung der Lebenssimulationen.

Weshalb mir Harvest Moon im Gegensatz zu Spielen wie FarmVille oder die Sims, gefällt, hat wahrscheinlich mit dem idealisierten Landleben zu tun und dass es eben nicht nur aus einem Aspekt der Arbeit auf dem Bauernhof besteht. Je nach Jahreszeit und Lust und Laune sieht die Sache ganz anders aus. Überhaupt sind für eine Simulation auffällig wenig Zahlen im Spiel enthalten. Hier kann man (beinahe) wirklich entspannen.

Aber die Frage bleibt: Was will so eine Lebenssimulation überhaupt und wo liegt der Reiz?

No comments yet

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: