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Cd-Review: David Bowie – „Heroes“

17. Oktober 2010
David Bowie - "Heroes", 1977, Digitally Remastered and reissued 1999

Nach euren zahlreichen Kommentaren gibt es jetzt die erste Review und zwar zu David Bowies „Heroes“. Es werden in der nächsten Woche dann Reviews zu Mumford & Sons, Of Montreal und MGMT folgen. Weitere Wünsche werden aber gerne noch entgegengenommen. Und nun zur Review:

 

David Bowie - "Heroes", 1977, Digitally Remastered and reissued 1999

David Bowie - "Heroes", 1977, Digitally Remastered and reissued 1999

 

David Bowie – „Heroes“

Alle Jugendlichen haben den Drang gegen ihre Eltern zu rebellieren und sich anders als diese zu Verhalten. Wir wollen beweisen, dass wir eigenständige Individuen sind und nicht wie unsere Eltern. Dabei begehen wir oft sehr dumme Fehler…

Meine Mutter war schon immer ein bekennender und begeisterter Bowie-Fan und sicherlich auch im Geiste jugendlicher Rebellion habe ich David Bowie fast 20-Jahre lang ignoriert. Erst vor ein paar Jahren fing ich an mich mit einigen Werken von Bowie vertraut zu machen, inspiriert durch die grandiosen portugiesischen Cover-Versionen von Seu Jorge. Und nun nenne ich mich mit „Heroes“ mein erstes Bowie-Werk mein Eigen.

Einerseits ist es geradezu ein Affront, dass ich Bowie solange ignoriert habe, andereseits bin ich wahrscheinlich jetzt erst bereit für diese CD.  Bowies musikalisches Werk ist unter den großen musikalischen Ikonen (Beatles, Dylan, Stones etc.) das am schwierigsten zugängliche. Während wir viele große Bands und Sänger gerade deswegen erst spät für uns entdecken, weil wir seit unserer Kindheit damit bombadiert wurden, konnte ich selbst als Sohn eines Bowie-Fans ohne allzu große Kenntnisse seiner Lieder aufwachsen. (Ich kenne zumindest Niemanden, der im Schulmusikunterricht Life on Mars gesungen hat).

„Heroes“ ist zudem nicht das ideale Bowie Einstiegs-Album, Mittel- und Höhepunkt seiner Berlin-Trilogie (Low, „Heroes“, Lodger wobei nur „Heroes“ komplett in Berlin aufgenommen wurde) ist es ein sperriges und komplexes Werk. 4 der 10 Songs sind rein Instrumental (V-2 Schneider, Sense of Doubt, Moss Garden und NeuKöln) und bis auf den Titelsong findet sich kein offentsichtlicher Hit. Ganz im Gegenteil beim ersten Hören scheint das geradezu überirdisch einehmende „Heroes“ die Luft aus dem Rest des Albums zunehmen.

Die ironische distanzierte Ballade über eine Liebe über die Grenzen der Berliner Mauer (die mir übrigens in der gemischt Deutschen Version am besten gefällt) ist eines der bekanntesten Lieder Bowies. Die sofort eingängige Melodie steht dabei im scheinbaren Kontrast zu den restlichen eher vom sperrigen Krautrock inspirierten Lieder. Bowie Ersthörer werden nach dem ersten Durchlauf der CD dazu neigen „Heroes“ auf dem MP3-Spieler zu speichern und den Rest der CD irgendwo verstauben zu lassen.

Und genau an dieser Stelle bin ich dankbar, dass meine jugendliche Rebellenphase mich hat Bowie erst jetzt entdecken lassen. Den „Heroes“ ist ein Album dessen musikalische Tragweite gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Denn wie so oft in Bowies Karriere ist er den Trends nicht einfach hinterhergelaufen sondern er hat sie transformiert und sich zu eigen gemacht. Die 4 vorhin genannten instrumentalen Ambient-Tracks mögen heute nichts mehr Besonderes sein, wir müssen uns jedoch verdeutlichen, dass der Begriff Ambient bis Mitte der 70er Jahre noch gar nicht existierte. Mit Low und „Heroes“ half Bowie ein ganzes Genre mitzugestalten. Dennoch besitzen diese Songs auch eine eigene Tiefe und Dynamik.

Selten wurde ich so gefesselt und angezogen von instrumentalen Songs. Neuköln etwa ist wie eine Manifestation eines dunklen, wabernden Unterbewusstseins. Ein Song der sich bei jedem Hören neu zu erfinden scheint und Nuancen offenbart die man vorher nicht gehört hat. Bislang habe ich Instrumentals auf anderen Alben meist als belangloses Zwischenspiel gesehen, „Heroes“ jedoch hat dies für mich völlig verändert.

Viele der anderen Vocal-Songs mögen einem, wie bereits erwähnt, als heutigem Hörer etwas langweilig vorkommen. Die dunkle Stimme Bowies, der dominante Bass, der ungewöhnlich variierte Beat auf den Tracks ist in den Zeiten des Post-Punk Revivals einfach keine Seltenheit. Die Songs bleiben allerdings nur solange unscheinbar, bis man sich vor Augen ruft, dass „Heroes“ von 1977 ist. 2 Jahre bevor Love will tear us apart geschrieben wurde, ungefähr zur selben Zeit als der Begriff Post-Punk zum ersten Mal verwendet wurde. Das Bowie auch der Prototyp aller Künstler war, die nach Berlin strömten um dort ein Album voller Hommagen an die Stadt aufzunehmen braucht wohl nicht näher ausgeführt zu werden (vgl. Bloc Party, The Rakes, The whitest Boy alive, R.E.M). Das Bowie somit auch einer der größten Begründer des New Wave war, war sogar mir bis dato nicht bewusst (Und das obwohl ich einen Artikel über die Geschichte des Genres geschrieben habe). Das sich Bowie dieser Genre-Einteilung jedoch entzieht, versteht sich von Selbst. Sein Label bewarb „Heroes“ übrigens mit dem Marketingslogan: „There is Old Wave. There is New Wave and there is Bowie…“.

Es wurde einmal gesagt, dass David Bowie Rock Musik sophistiziert hat und Bowie Autobiograph Thomas Forget behauptete, dass sich heutzutage kein Künstler findet der nicht von Bowie inspiriert wurde. Beide Aussagen bestätigen sich auf „Heroes“. Ein großartiges Album, nur merkt man das nicht ohne Nachzudenken. Ein Album dessen Einflüsse noch Heute resonieren. Ein David Bowie Album…

Track Listing:

  • „Beauty and the Beast“ – 3:32
  • „Joe the Lion“ – 3:05
  • „‚Heroes'“ (Bowie, Brian Eno) – 6:07
  • „Sons of the Silent Age“ – 3:15
  • „Blackout“ – 3:50
  • „V-2 Schneider“ – 3:10
  • „Sense of Doubt“ – 3:57
  • „Moss Garden“ (Bowie, Eno) – 5:03
  • „Neuköln“ (Bowie, Eno) – 4:34
  • „The Secret Life of Arabia“ (Bowie, Eno, Carlos Alomar) – 3:46

Empfehlungen:

  • „Heroes“ siehe Oben
  • Neuköln:
  • Blackout:

Bowie related Disclaimer:

An dieser Stelle nochmal ein Hinweis, David Bowie wechselte seinen Stil fast mit jedem Album. Wem „Heroes“ geschmacklich also nicht zusagen sollte, der sollte zumindest ein oder zwei Songs aus Bowies anderen Phasen anhören bevor er Bowie für immer abschiebt. Meine Tipps wären:

  • Station to Station oder Fame aus seiner Thin White Duke Phase; Funk/Soul (Station to Station, Young Americans die Phase vor seiner Berlin-Trilogie)
  • Life on Mars und Ziggy Stardust aus seiner Ziggy Stardust Phase; Glam Rock (Hunky Dory, The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars)
One Comment leave one →
  1. Schwester permalink
    18. Oktober 2010 16:45

    Danke

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