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Kurzkritiken: The American (2010), Ponyo (2008) und Lucy (2006)

23. September 2010

 

Eigentlich geht es bei uns ja weniger um Aktuelles, aber wenn man mal drei Filme an fast einem Tag sieht ( Zwei im Kino, einer im Fernsehen) und alle interessant sind, warum nicht? Hier also mal drei Kurzkritiken zu The American, Ponyo – Das große Abenteuer am Meer und Lucy


 

The American

 

Eigentlich ein Western dieser Film, eine Spielart des Western oder vielmehr ein umgedrehter Italowestern.

Wenn es damals die Italiener waren, die wie Amerikaner sein wollten (wie im Lied, welches auch einmal im Café zu hören ist) und in Amerika spielende Western gedreht haben, so sind es jetzt die Amerikaner, die Europäer sein wollen und sich dem europäischen Kino annähern.

Auch wenn der Regisseur Corbijn selbst Niederländer ist, hat man es dennoch mit einem absolut amerikanischen Film zu tun. Es sind ja die Produzenten, die dann einen europäischen Film machen wollten. Mal wird dabei Tom Cruise durch Europa geschickt, ein andermal sonst irgendein Actionheld. Diesmal eben George Clooney.

Und wie er schon im ersten italienischen Dorf vom Pferd steigt( also aus dem Auto) und die üblichen misstrauischen Blicke erntet, macht eigentlich schon klar, dass hier mit Klischees des Western gespielt wird. Natürlich sind dementsprechend die einzigen einheimischen Kontakte auf den Pater und die Prostituierte beschränkt.

Aber es geht auch um das Handwerk, wie die Waffe zusammengebastelt wird, in aller Ruhe. Und genau diese Maßanfertigung der Waffe sorgt für den entscheidenden Wechsel. Schließlich gibt es sogar noch ein beinahe klassisches High-Noon mit aus der Hüfte gezogener Waffe. Es fällt leicht dem Film ein unrealistisches, klischeebeladenes Italienbild vorzuwerfen, aber er spielt ja damit. Und außerdem, was war mit dem Amerikabild der Italiener in den Italowestern?

In gewisser Weise hat man sich nach einem alten Amerika mit Wildem Westen gesehnt, genauso wie sich Amerikaner heute nach einem alten Europa zu sehnen scheinen. Zumindest im Film.

The American ist sicherlich kein Meisterwerk, aber man sollte ihn nicht einfach nur der Klischees wegen unterschätzen, sondern erkennen wie er mit diesen spielt. Auch wenn die Fotografie dann doch etwas oberflächlich wirken mag ( was der Priester dem Amerikaner ja auch vorwirft, dem Film also vielleicht auch wieder bewusst ist) und die Liebesgeschichte auch eher zu den Schwachpunkten des Films gehört.

 

Ponyo – Das große Abenteuer am Meer

 

Miyazaki hat einmal alle seine Filme als Kinderfilme bezeichnet, was natürlich so einfach nicht ist, aber alle seine Filme sind – mal mehr mal weniger – Filme für Kinder. Ponyo ist im Gegensatz zu seinen letzten paar Filmen wieder deutlicher für Kinder gemacht und mit Miyazakis “reinsten” Kinderfilmen Kikis kleiner Lieferservice und Mein Nachbar Totoro deutlich verwandt. Es geht hier um Kinderwelten und darum wie selbstverständlich vorallem die Erwachsenen einerseits die Phantasie ihrer Kinder akzeptieren, aber auch wie selbstverständlich mit Gefahren umgegangen wird.

So wie Miyazaki Kinder als Publikum ernst nimmt (anstatt sie für dumm zu verkaufen, wie leider in vielen anderen Kinderfilmen), so werden auch Sosuke und Ponyo ernst genommen und müssen sie auch mal alleine auf das Haus aufpassen.

Typisch für Miyazaki findet sich kaum moderne Technik im Film, er ist eben doch konservativ und nostalgisch in solchen Dingen. Das heißt zum einen, dass keine Computertricks benutzt wurden (was man dem Film auf wunderbare Weise ansieht, besonders schön bei den Wassereffekten), sich aber natürlich auch innerhalb des Films wiederfindet, wie das aufgeblasene Spielzeugboot mit Kerzenantrieb zeigt oder die Kommunikation mit dem Vater über Morsezeichen (was – wie auch schon bei Porco Rosso – viel lustiger ist als über Telefon).

Überhaupt, ist die Logik des Films, die eines Kindes und nicht die eines modernen westlichen Films, der den Einbruch der Fantasie in die Realität üblicherweise viel stärker zum Thema macht. Hier wird das Phantastische ganz selbstverständlich gezeigt und auch von den Erwachsenen akzeptiert, ohne Diskussion. Die Dramaturgie ist eher unwestlich und bietet, mangels rein böser Figuren, keinen spannenden Kampf in dem Sosuke seine Kraft entdecken muss, nein, er muss einfach zu sich und Ponyo stehen, ein echtes Happy End.

(Hier außerdem noch Fabians wunderbarer Artikel zu Miyazaki)

 

Lucy

Wie so mancher der Filme, die zur Berliner Schule gezählt werden, zieht einen dieser Film eigentlich gar nicht in sich hinein. Es werden keine der üblichen dramaturgischen Tricks angewandt um Spannung, Dramatik oder Mitgefühl zu erzeugen. Es wird vielmehr der Alltag einer 18-Jährigen Mutter in Berlin gezeigt. Keine Milieustudie mit alkoholkranker Mutter, arbeitslosem Vater und Berliner Schnauze, überhaupt, wenig Berlin in diesem Film (was gut ist) dafür viel deutscher Alltag und ganz wunderbar unbekümmerte Laiendarsteller.

Die Probleme, die die meisten mit solchen Filmen haben sind klar, was kann einen an so einem Film dann doch anziehen? Zunächst einmal braucht es solche Filme um von diesem ganzen hysterischen Quatsch wegzukommen, also als Gegengewicht, aber auch um noch ein adäquates Bild dessen zu bekommen, was in Deutschland vorgeht und wie das Leben hier aussieht, jenseits von Klischees und standardisierten Bildern.

Es ist auch mal angenehm einen Film zu sehen, der nicht nur von plot point zu plot point geht, sondern sich treiben lässt und nicht alles für maximalen dramatischen Effekt benutzt.

So wie in der Szene als sie ihrem neuen Freund die Tochter, überrascht von seinem unerwartetem Besuch, als seine Schwester vorstellt. Das könnte nun zu einem klassischen Konflikt führen, mit Enthüllung der Wahrheit und aggressivem Ausbruch, etc. Aber nein, ein paar Sekunden später schon meint er zu ihr: „Sie ist nicht deine Schwester, oder?“ Und die Wahrheit ist da, er zeigt Verständnis. Die Probleme kommen später und anders, vermutlich auch realistischer, in jedem Fall aber wird diese klassische moderne Filmdramaturgie nicht bedient. Und das ist viel wert.

Alle Filme der sogenannten Berliner Schule über einen Kamm zu scheren ist Blödsinn, aber die Neigung, es dem Zuschauer eben nicht leicht zu machen, ihn nicht zu involvieren, sondern eher abzustoßen, haben sie dann doch irgendwie gemein. Wobei das nicht heißt, dass einem die Filme egal wären, sie machen es einem vielleicht nicht immer leicht, aber sobald man sich in einem dieser Filme wiederfindet ist man schon drinnen und merkt, dass sie etwas ganz bestimmtes getroffen haben.

So auch Henner Winckler mit diesem Film, der keine „knallharte“ Realität zeigen will und dann durch Handlung und Figuren einem doch nur das Gefühl gibt einer Handlung zu folgen, sondern vieles nur andeutet und offen lässt, auch das Ende. Verschiedene Möglichkeiten wurden aufgezeigt, es kann noch alles gut ausgehen, aber dass sie schon mal bei ihrem schlafenden Baby wartet ist bereits gut und zeigt dann sogar etwas wie eine Entwicklung in ihr selbst.

Eigentlich bilden die Filme der Berliner Schule Deutschlands Gegenwart in einer Weise ab, die ihr absolut gerecht wird und das schon seit Mitte der Neunziger. Es hat nur kaum jemand zugesehen.

* * *

The American und Ponyo laufen noch regulär im Kino, letzterer aber nur Nachmittags, im Kinderprogramm sozusagen. Bei manchem Filmen wäre das eine Frechheit, hier ist aber ehrlichgesagt verständlich. Lucy läuft höchstens ab und zu im Fernsehen und wurde letztens wiederholt. Auf DVD gibt es ihn natürlich auch. Der Trailer ist übrigens eine Frechheit und gibt den Film völlig falsch wieder mit seiner unpassenden Musik und den Schnitten, aber was soll’s, sowas gibt es ja leider öfter.

 

 

One Comment leave one →
  1. 24. September 2010 20:40

    Meine Meinung zu Ponyo kennst du ja (ausführlich, nehme ich an ;)), er gefällt mir gut, hat aber, wie mancher Miyazaki seine kleineren Schwächen.

    The American möchte ich mir ansehen, deshalb habe ich jetzt nur den Schlussabschnitt dazu gelesen, den Rest werde ich durchlesen, wenn ich den Film gesehen habe. Falls.😉

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