Skip to content

Bottle Rocket (1996)

15. Juni 2010

Durchgeknallt – no risk, no fun!

Dignan ist der Boss und er hat die wildesten Pläne, wie man an Geld kommt. Klar, seine Kumpels Bob und Anthony machen mit.

So dämlich der deutsche Verleihtitel und der Text auf der DVD sind, so sympathisch und eigen ist dieser erste Film von Wes Anderson, der eigentlich Bottle Rocket heißt. Eine Formulierung auf der DVD trifft es dann aber doch ein bisschen:

“Ein Feuerwerk heldenhaften Verlierertums!”

Gut, ein Feuerwerk im klassischen Sinne ist der Film nicht, die drei Kleinganoven feuern ihre Kracher einmal euphorisch aus dem Auto, aber tagsüber kommt das Licht ja nicht so richtig zur Geltung und später im Film sieht man Dignan desillusioniert die übriggebliebenen Kracher enttäuscht auf einer Wiese anzünden, auf den Boden gerichtet. Die Anstrengung verpufft hier immer wieder, sie rennen alle andauernd gegen Wände, geben alles und kriegen nichts.
Der eine Coup im Buchladen gelingt zwar problemlos, aber sonderlich ernst nimmt man sie ja dort nicht und ausser ein paar hundert Dollar haben sie nicht viel davon. Heldenhaftes Verlierertum eben. Der Humor, die Witze zünden auch nicht im üblichen Sinne; um Pointen geht es hier ja nicht, eher um Komik im statischen Sinne. Es fallen Sätze, die einfach für sich genommen komisch sind und auf keine Pointe hinauslaufen.
Dignan zeichnet sich durch die Fähigkeit aus Begeisterung zu entwickeln, die Andere ansteckt und auch wenn alles schief geht, weiter zu machen. Er selbst ist eine “Bottle Rocket”.
Es zündet, brennt, scheint im nächsten Moment wunderbar zu explodieren und verpufft.

Es geht auch ums Ausbrechen, aber ebenfalls gilt: Alles verpufft; der Ausbruch aus der Irrenanstalt ist kein echter Ausbruch (eher eine freundschaftliche Geste), der Ausbruch aus bürgerlicher Langweile misslingt, die Flucht nach Mexiko scheint gar nicht nötig gewesen und am Ende gibt es eine Gefängnisflucht nurnoch als Scherz. Eines aber ist gelungen: Sie sind keine Langweiler mehr, haben Abenteuer erlebt und was zu erzählen. Weitergekommen sind sie Alle irgendwie; älter und reifer geworden vielleicht, auch wenn einer dafür zahlen muss( oder zwei, auf unterschiedliche Weise).

Es geht also auch um Erwachsenwerden, hier sind lauter Kinder, die endlich Erwachsen werden wollen, endlich ernst genommen werden wollen. Wes Anderson hat als großen Einfluss die Charlie Brown Filme von Bill Melendez genannt und die Verbindung ist überdeutlich:
Das deprimierte in-der-Landschaft-rumstehen, die Art Pläne zu entwerfen wie kleine Kinder beim Spielen; man trifft sich Nachmittags bei Bob zuhause und hockt am Tisch mit den Plänen und einem großen Spielzeug, der Pistole, die vorallem Bob magisch anzieht, wie ein neues Spielzeug eben; der 75-Year-Plan und die Bilder die Anthony zwischendurch malt, die über Grundschulniveau nicht hinauskommen. Hier sind lauter Erwachsene (wie Anthony seiner kleinen Schwester gegenüber noch betont ), die in Wirklichkeit noch Kinder sind, während wir es bei den Peanuts mit erstaunlich erwachsenen (aber nicht unbedingt reifen ) Kindern zu tun haben. Ausserdem scheint die Musik von Mark Mothersbaugh vom Jazz der Charlie Brown Filme inspiriert.

Wichtig sind aber vorallem, wie in jedem Wes Anderson Film, Familie und Freundschaft:
Dignan, Anthony und Bob als Dreiergespann, welches sich mal zerstreitet, mal versöhnt; Bob und sein großer Bruder, der ihn ärgert und schlägt; Anthony und seine kleine Schwester; Mr. Henry als Ersatzvater für Dignan und sein Team als seltsame Ersatzfamilie aus lauter schrägen Vögeln (für schräge Vögel). Überhaupt wird für einen “Gangsterfilm” viel über Gefühle geredet, auch abseits der Liebesgeschichte (die als solche nicht besonders stark ist), was dann wohl das zentrale Thema des Films ist. Das wird besonders deutlich, als Mr.Henry zu Bobs Bruder, der ihn wieder ärgert sagt:

“You know, one day your going to wake up and realize that you no longer have a brother. And you no longer have any friends. And on that day, I’m gonna be front and center laughing my fucking ass off.”

Mr. Henry macht den arroganten Bruder von Bob nicht fertig, er wird nicht verprügelt oder gar getötet, er macht nur diesen komischen Judogriff, der auch eher lächerlich wirkt und sagt ihm, dass er ohne seinen Bruder alleine ist. Ein Film über Kleingangster und Einbrecher indem so ein Satz fällt scheint wirklich einzigartig. Andere Filme mit ähnlicher Thematik bieten eher Coolness und Spaß, Bottle Rocket aber hat vorallem Herz. Wes Anderson hat von Anfang an seinen eigenen Stil, den er zwar verfeinert, aber ansonsten nicht mehr viel ausarbeiten muss. Wieviele andere Regisseure haben mit ihrem ersten Film schon so deutlich zur eigenen Form gefunden? Es sei gesagt, dass der Schnitt auf diese Art Film, dieses Drehbuch, offensichtlich noch nicht eingestellt ist und er gehört wohl am ehesten zu den Schwachpunkten des Films, was aber an der Produktion und nicht am Regisseur und Autor liegt. Eben dieser sehr markante Stil Wes Andersons wird oft als Kritikpunkt aufgeführt, da er sich ja immer wieder nur zu wiederholen scheint. Und es stimmt auch: es geht in jedem seiner Filme um kindische Erwachsene und erwachsene Kinder, Familienverhältnisse und Freundschaften, eingerahmt von strengen Kameraführungen und Popmusik der 60er und 70er, aber darin steckt auch immer wieder etwas Neues und gewisse Wahrheiten, die Andere (und es gibt inzwischen einige, bei denen der Einfluss von Andersons Filmen erkennbar ist) so darzustellen nicht hinkriegen. Andersons Ideenreichtum zuzugucken kann auch einfach Spass machen, aber es bleibt nie bei der Oberfläche, man muss vielleicht nur genau hinsehen und sich in den Details verlieren.

No comments yet

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: