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Cd-Review: David Bowie – “Heroes”

17. Oktober 2010
David Bowie - "Heroes", 1977, Digitally Remastered and reissued 1999

Nach euren zahlreichen Kommentaren gibt es jetzt die erste Review und zwar zu David Bowies “Heroes”. Es werden in der nächsten Woche dann Reviews zu Mumford & Sons, Of Montreal und MGMT folgen. Weitere Wünsche werden aber gerne noch entgegengenommen. Und nun zur Review:

 

David Bowie - "Heroes", 1977, Digitally Remastered and reissued 1999

David Bowie - "Heroes", 1977, Digitally Remastered and reissued 1999

 

David Bowie – “Heroes”

Alle Jugendlichen haben den Drang gegen ihre Eltern zu rebellieren und sich anders als diese zu Verhalten. Wir wollen beweisen, dass wir eigenständige Individuen sind und nicht wie unsere Eltern. Dabei begehen wir oft sehr dumme Fehler…

Meine Mutter war schon immer ein bekennender und begeisterter Bowie-Fan und sicherlich auch im Geiste jugendlicher Rebellion habe ich David Bowie fast 20-Jahre lang ignoriert. Erst vor ein paar Jahren fing ich an mich mit einigen Werken von Bowie vertraut zu machen, inspiriert durch die grandiosen portugiesischen Cover-Versionen von Seu Jorge. Und nun nenne ich mich mit “Heroes” mein erstes Bowie-Werk mein Eigen.

Einerseits ist es geradezu ein Affront, dass ich Bowie solange ignoriert habe, andereseits bin ich wahrscheinlich jetzt erst bereit für diese CD.  Bowies musikalisches Werk ist unter den großen musikalischen Ikonen (Beatles, Dylan, Stones etc.) das am schwierigsten zugängliche. Während wir viele große Bands und Sänger gerade deswegen erst spät für uns entdecken, weil wir seit unserer Kindheit damit bombadiert wurden, konnte ich selbst als Sohn eines Bowie-Fans ohne allzu große Kenntnisse seiner Lieder aufwachsen. (Ich kenne zumindest Niemanden, der im Schulmusikunterricht Life on Mars gesungen hat).

“Heroes” ist zudem nicht das ideale Bowie Einstiegs-Album, Mittel- und Höhepunkt seiner Berlin-Trilogie (Low, “Heroes”, Lodger wobei nur “Heroes” komplett in Berlin aufgenommen wurde) ist es ein sperriges und komplexes Werk. 4 der 10 Songs sind rein Instrumental (V-2 Schneider, Sense of Doubt, Moss Garden und NeuKöln) und bis auf den Titelsong findet sich kein offentsichtlicher Hit. Ganz im Gegenteil beim ersten Hören scheint das geradezu überirdisch einehmende “Heroes” die Luft aus dem Rest des Albums zunehmen.

Die ironische distanzierte Ballade über eine Liebe über die Grenzen der Berliner Mauer (die mir übrigens in der gemischt Deutschen Version am besten gefällt) ist eines der bekanntesten Lieder Bowies. Die sofort eingängige Melodie steht dabei im scheinbaren Kontrast zu den restlichen eher vom sperrigen Krautrock inspirierten Lieder. Bowie Ersthörer werden nach dem ersten Durchlauf der CD dazu neigen “Heroes” auf dem MP3-Spieler zu speichern und den Rest der CD irgendwo verstauben zu lassen.

Und genau an dieser Stelle bin ich dankbar, dass meine jugendliche Rebellenphase mich hat Bowie erst jetzt entdecken lassen. Den “Heroes” ist ein Album dessen musikalische Tragweite gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Denn wie so oft in Bowies Karriere ist er den Trends nicht einfach hinterhergelaufen sondern er hat sie transformiert und sich zu eigen gemacht. Die 4 vorhin genannten instrumentalen Ambient-Tracks mögen heute nichts mehr Besonderes sein, wir müssen uns jedoch verdeutlichen, dass der Begriff Ambient bis Mitte der 70er Jahre noch gar nicht existierte. Mit Low und “Heroes” half Bowie ein ganzes Genre mitzugestalten. Dennoch besitzen diese Songs auch eine eigene Tiefe und Dynamik.

Selten wurde ich so gefesselt und angezogen von instrumentalen Songs. Neuköln etwa ist wie eine Manifestation eines dunklen, wabernden Unterbewusstseins. Ein Song der sich bei jedem Hören neu zu erfinden scheint und Nuancen offenbart die man vorher nicht gehört hat. Bislang habe ich Instrumentals auf anderen Alben meist als belangloses Zwischenspiel gesehen, “Heroes” jedoch hat dies für mich völlig verändert.

Viele der anderen Vocal-Songs mögen einem, wie bereits erwähnt, als heutigem Hörer etwas langweilig vorkommen. Die dunkle Stimme Bowies, der dominante Bass, der ungewöhnlich variierte Beat auf den Tracks ist in den Zeiten des Post-Punk Revivals einfach keine Seltenheit. Die Songs bleiben allerdings nur solange unscheinbar, bis man sich vor Augen ruft, dass “Heroes” von 1977 ist. 2 Jahre bevor Love will tear us apart geschrieben wurde, ungefähr zur selben Zeit als der Begriff Post-Punk zum ersten Mal verwendet wurde. Das Bowie auch der Prototyp aller Künstler war, die nach Berlin strömten um dort ein Album voller Hommagen an die Stadt aufzunehmen braucht wohl nicht näher ausgeführt zu werden (vgl. Bloc Party, The Rakes, The whitest Boy alive, R.E.M). Das Bowie somit auch einer der größten Begründer des New Wave war, war sogar mir bis dato nicht bewusst (Und das obwohl ich einen Artikel über die Geschichte des Genres geschrieben habe). Das sich Bowie dieser Genre-Einteilung jedoch entzieht, versteht sich von Selbst. Sein Label bewarb “Heroes” übrigens mit dem Marketingslogan: “There is Old Wave. There is New Wave and there is Bowie…”.

Es wurde einmal gesagt, dass David Bowie Rock Musik sophistiziert hat und Bowie Autobiograph Thomas Forget behauptete, dass sich heutzutage kein Künstler findet der nicht von Bowie inspiriert wurde. Beide Aussagen bestätigen sich auf “Heroes”. Ein großartiges Album, nur merkt man das nicht ohne Nachzudenken. Ein Album dessen Einflüsse noch Heute resonieren. Ein David Bowie Album…

Track Listing:

  • “Beauty and the Beast” – 3:32
  • “Joe the Lion” – 3:05
  • “‘Heroes’” (Bowie, Brian Eno) – 6:07
  • “Sons of the Silent Age” – 3:15
  • “Blackout” – 3:50
  • “V-2 Schneider” – 3:10
  • “Sense of Doubt” – 3:57
  • “Moss Garden” (Bowie, Eno) – 5:03
  • “Neuköln” (Bowie, Eno) – 4:34
  • “The Secret Life of Arabia” (Bowie, Eno, Carlos Alomar) – 3:46

Empfehlungen:

  • “Heroes” siehe Oben
  • Neuköln:
  • Blackout:

Bowie related Disclaimer:

An dieser Stelle nochmal ein Hinweis, David Bowie wechselte seinen Stil fast mit jedem Album. Wem “Heroes” geschmacklich also nicht zusagen sollte, der sollte zumindest ein oder zwei Songs aus Bowies anderen Phasen anhören bevor er Bowie für immer abschiebt. Meine Tipps wären:

  • Station to Station oder Fame aus seiner Thin White Duke Phase; Funk/Soul (Station to Station, Young Americans die Phase vor seiner Berlin-Trilogie)
  • Life on Mars und Ziggy Stardust aus seiner Ziggy Stardust Phase; Glam Rock (Hunky Dory, The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars)

CD-Reviews: Abstimmung

15. Oktober 2010

Ich habe mir dieses Jahr soviele CDs gekauft wie schon lange nicht mehr und würde gerne zu ein paar dieser CDs Reviews schreiben. Da ich nicht zu allen was schreiben kann und eigentlich alle Interessant finde, dachte ich, ich geb es mal zur Abstimmung frei.

Einfach in den Kommentaren schreiben, welche der unten aufgeführten CDs euch am meisten reizen:

 

  • Sonic Youth – Goo
  • David Bowie – Heroes
  • Metric – Live it out

 

  • The Smiths – Hateful of Hollow
  • Babyshambles – Down in Albion
  • Scott Pilgrim vs. the world OST

 

  • Pete Doherty Grace/Wastelands
  • Of Montreal – Skeletal Lamping
  • Of Montreal – The Sunlandic Twins

 

  • Aracde Fire – Funeral
  • Arcade Fire – Neon Bibel
  • Kings of Convenience – Declaration of Dependence

 

  • Beirut – Gulag Orkestar
  • Beirut – The Flying Club Cup
  • MGMT – Oracular Spectacular

 

  • Mumford & Sons – Sigh no more
  • Phoenix – Wolfgang Amadeus Phoenix
  • Wilco – Yankee Hotel Foxtrott

 

  • The New Pornographers – Twin Cinema
  • The New Pornographers -Challengers

 

20 CDs in 10 Monaten, was einen wahnsinnigen Schnitt von 2 CDs pro Monat bedeutet @_@ Ich sollte mich mal zügeln… nichtsdestotrotz eine interessante Sammlung die es verdient an einigen Stellen näher besprochen zu werden.

 

Wovon ich rede, wenn ich von Büchern rede

9. Oktober 2010

Gestern war ich wie ich es mir die letzten Jahre zur Gewohnheit gemacht habe, wieder auf der Frankfurter Buchmesse. Dieses Jahr hatte ich aber das Glück nicht an den Publikumstagen sondern an einem Fachtag die Messe zu besuchen. Das hat nicht nur den Vorteil, dass man nicht von einer Horde Cosplayer erschlagen wird sondern es öffnet einem auch eine ganz andere Perspektive auf die Messe.

Die meiste Zeit habe ich daher auch nicht in der Halle der Großverlage oder der Comics verbracht, sondern bei der Buchkunst und insbesondere bei der Stiftung Buchkunst. Ein besonders spannendes Erlebnis war es dabei das Medium Buch als tatsächlich eigenständige Kunst wahrzunehmen und die Bewertungen der Sieger, Nomierten und Sondereinträge zu lesen. Natürlich will ich mich nicht als Buchkenner ausgeben, aber dank der aufklärenden Kommentare meiner Begleitung (einer Studentin der Buchwissenschaften) konnte ich einiges neues über das Medium Buch lernen.

Und dabei ist mir eine wichtige Erkenntnis gekommen, die eigentlich keine wirkliche Erkenntnis als vielmehr eine Wahrheit ist, das Buch und der Inhalt den es trägt sind zwei eigenständige Kunstmedien. Viel zu oft wird das Buch dabei jedoch verkannt und nur der Inhalt als Kunst bezeichnet. Gerade jetzt aber, wo wir immer mehr alternative Transportmedien haben, wird es an der Zeit der Kunst “Buch” etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn Buch ist nicht gleich Buch, wie man im Bildbeispiel unten sehen kann. Es mag sich hier zwar um das gleiche literarische Werk handeln, doch die Leseerfahrung wird niemals die Gleiche sein. Das zeigt mir, dass das Buch mehr als nur ein Medium ist. Es ist eben eine Kunstform ansich.

Nicht das selbe Buch

Nicht das selbe Buch

 

Wenn ich dabei von Büchern rede und ihrer Ästhetik, dann geht es dabei aber nicht nur um schöne Coverdesigns oder kunstvolle Bindungen. Vielmehr, wie ich selbst erst erfuhr, ist die Buchkunst die perfekte Verbindung von Praxis und  Ästhetik. Ein gutes Buch sieht nicht nur schön aus, es fühlt sich gut an, es lässt sich leicht lässen, liegt gut in der Hand und fällt nicht nach einem Lesen auseinander. Wahre Experten streiten um die Opazität, die Bindung, die Falz und das Gewicht eines Buchs genauso wie Literaturkritiker sich über Metaphern und Analogien erhitzen.

Wie schon gesagt, ich bin durch einen Messebesuch kein Experte geworden, wohl aber aufmerksamer. Darum möchte ich den Fokus auf die wunderbaren Bücher in unserem Alltag lenken und hier stellvertretend ein paar Musterexemplare aus meinem Schrank zeigen.

 

Schlaf von Haruki Murakami mit Illustrationen von Kat Menschik (Dumont Verlag, 2010, Paperback mit Schutzumschlag)

“Schlaf” besticht zunächst einmal durch die ungewöhnliche Optik, das tiefe Blau mit dem reliefartigen Silberaufdruck macht schon auf dem Cover Eindruck. Dieser zweifarbige Kontrast entwickelt seine Stärke jedoch zunehmend durch die Konsequenz mit der er im Buch verwendet wird. Auf hartem, rauhem Papier ist die Schrift wiederum in dunklem Blau gehalten während Seitenzahlen und Kapitel in Silber sind. Highlight sind natürlich wiederum die reliefartigen Silber/Blauen Illustrationen von Mentschik. Das Buch hat ein gutes Gewicht, es ist nicht zu leicht trotz seiner nur knapp 80 Seiten. Die Bindung ist robust aber dennoch auch in der Mitte des Buches gut lesbar. Nichts verschwindet in der Falz. Insgesamt ein wunderbares Buch, stilvoll mit wunderbarer Haptik.

 

Where the wild things are von Maurice Sendak (Harper Collins,1991, Hardcover mit Schutzumschlag)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Naturgemäß ist die Ästhetik und die visuelle Gestaltung bei Bilderbüchern sehr wichtig. Where the wild things are besticht daher durch ein wundervolles Layout und geradezu magische Illustrationen. Auch die inhaltliche Verbindung von Bild und Text gelingt hier natürlich spielend, besonders schön ist etwa das Stilmittel der wachsenden Bilder. Die Anfangs nicht mal eine halbe Seite ausfüllen mit zunehmendem Eintauchen in die Fantasie aber sogar auf die zweite Seite wachsen.

Das Buch besticht aber noch durch mehr. Harper Collins hat dem Buch eine wundervolle Haptik verliehen, die allein das Halten und Blättern des Buches zu einem Erlebnis macht. Eine wundervolle alte Leinenbindung kombiniert mit rauen fast stoffartigem Papier sorgen für ein rundum schönes Erlebnis.

Font, Typesetting und das generelle Schriftlayout sind perfekt eingepasst und runden das Bild ab.

 

Theos Reise von Catherine Clément (Carl Hanser Verlag,1998, Hardcover)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was ich an Theos Reise besonders mag ist das Gefühl, das Buch in der Hand zu halten und durch zu blättern. Die Leinenbindung, das schwere Gewicht und das wunderschöne, nostalgische Cover wecken einfach Leseerinnerungen in mir.
Das Papier ist etwas dünn und an manchen Stellen durchscheinend, verleiht dem 700-Seiten Werk dafür aber ein angenehmes Gewicht.

 

Stellaluna von Janell Cannon (Carlsen, 1994, Hardcover mit Schutzumschlag)

Bei diesem Buch kommt mir immer das Wort “Edel” in den Sinn.  Alle Seiten sind aus elastischem Glanzpapier und geben dem Buch zusammen mit dem leuchtenden Farben der Illustrationen einen besonderen Look. Die Gestaltung ist zudem sehr aufgeräumt und lässt den einzelnen Elementen viel Platz. Das generelle Layout und Typesetting sind präzise und hochmodern. Obwohl Stellaluna ein Kinderbuch ist, fasziniert mich das Design noch heute.

 

Harumi japanische Küche von Harumi Kurihara (Dorling Kindersley, 2006, Hardcover mit Schutzumschlag)

Ähnlich wie bei Stellaluna fasziniert mich bei diesem Buch vorallem das Design. Font, Farbwahl und Layout sind so dynamisch und modern als wären sie für eine Marketingbroschüre. Die graue Schrift wirkt frisch und ist gleichzeitig gut lesbar und die pinken Highlights wirken nie deplatziert oder übertrieben. Die Fotos sind stets perfekt gesetzt und folgen photographisch einer Linie durch das ganze Buch. Gerade dieses Buch zeigt nochmal, dass das Buch eine eigenständige Kunstform ist, denn obwohl “Harumis japanische Küche” ein gutes Kochbuch ist kann hier inhaltlich nicht von Kunst gesprochen werden. Das Buch an sich aber ist wirklich ein Kunstwerk.

Abschließend noch ein paar weitere mehr als gute Bücher, die ebenfalls durch Qualitäten außerhalb des Inhalts bestechen:

  • Märchen aus Vietnam, Eugen Diederichs Verlag, 1972, Hardcover mit Leinenumschlag
  • Rocko Schamoni: Sternstunden der Bedeutungslosigkeit, rororo, 2008, Paperback
  • Genki 1 an integrated course in elementary Japanese, The Japan Times,2008, Paperback mit Schutzumschlag
  • Klaus Golenhofen: Basislehrbuch Physiologie, Urban&Fischer,2006, Hardcover
  • Adam Green:magazine, Suhrkamp, 2005, Paperback

Kurzkritiken: The American (2010), Ponyo (2008) und Lucy (2006)

23. September 2010

 

Eigentlich geht es bei uns ja weniger um Aktuelles, aber wenn man mal drei Filme an fast einem Tag sieht ( Zwei im Kino, einer im Fernsehen) und alle interessant sind, warum nicht? Hier also mal drei Kurzkritiken zu The American, Ponyo – Das große Abenteuer am Meer und Lucy


 

The American

 

Eigentlich ein Western dieser Film, eine Spielart des Western oder vielmehr ein umgedrehter Italowestern.

Wenn es damals die Italiener waren, die wie Amerikaner sein wollten (wie im Lied, welches auch einmal im Café zu hören ist) und in Amerika spielende Western gedreht haben, so sind es jetzt die Amerikaner, die Europäer sein wollen und sich dem europäischen Kino annähern.

Auch wenn der Regisseur Corbijn selbst Niederländer ist, hat man es dennoch mit einem absolut amerikanischen Film zu tun. Es sind ja die Produzenten, die dann einen europäischen Film machen wollten. Mal wird dabei Tom Cruise durch Europa geschickt, ein andermal sonst irgendein Actionheld. Diesmal eben George Clooney.

Und wie er schon im ersten italienischen Dorf vom Pferd steigt( also aus dem Auto) und die üblichen misstrauischen Blicke erntet, macht eigentlich schon klar, dass hier mit Klischees des Western gespielt wird. Natürlich sind dementsprechend die einzigen einheimischen Kontakte auf den Pater und die Prostituierte beschränkt.

Aber es geht auch um das Handwerk, wie die Waffe zusammengebastelt wird, in aller Ruhe. Und genau diese Maßanfertigung der Waffe sorgt für den entscheidenden Wechsel. Schließlich gibt es sogar noch ein beinahe klassisches High-Noon mit aus der Hüfte gezogener Waffe. Es fällt leicht dem Film ein unrealistisches, klischeebeladenes Italienbild vorzuwerfen, aber er spielt ja damit. Und außerdem, was war mit dem Amerikabild der Italiener in den Italowestern?

In gewisser Weise hat man sich nach einem alten Amerika mit Wildem Westen gesehnt, genauso wie sich Amerikaner heute nach einem alten Europa zu sehnen scheinen. Zumindest im Film.

The American ist sicherlich kein Meisterwerk, aber man sollte ihn nicht einfach nur der Klischees wegen unterschätzen, sondern erkennen wie er mit diesen spielt. Auch wenn die Fotografie dann doch etwas oberflächlich wirken mag ( was der Priester dem Amerikaner ja auch vorwirft, dem Film also vielleicht auch wieder bewusst ist) und die Liebesgeschichte auch eher zu den Schwachpunkten des Films gehört.

 

Ponyo – Das große Abenteuer am Meer

 

Miyazaki hat einmal alle seine Filme als Kinderfilme bezeichnet, was natürlich so einfach nicht ist, aber alle seine Filme sind – mal mehr mal weniger – Filme für Kinder. Ponyo ist im Gegensatz zu seinen letzten paar Filmen wieder deutlicher für Kinder gemacht und mit Miyazakis “reinsten” Kinderfilmen Kikis kleiner Lieferservice und Mein Nachbar Totoro deutlich verwandt. Es geht hier um Kinderwelten und darum wie selbstverständlich vorallem die Erwachsenen einerseits die Phantasie ihrer Kinder akzeptieren, aber auch wie selbstverständlich mit Gefahren umgegangen wird.

So wie Miyazaki Kinder als Publikum ernst nimmt (anstatt sie für dumm zu verkaufen, wie leider in vielen anderen Kinderfilmen), so werden auch Sosuke und Ponyo ernst genommen und müssen sie auch mal alleine auf das Haus aufpassen.

Typisch für Miyazaki findet sich kaum moderne Technik im Film, er ist eben doch konservativ und nostalgisch in solchen Dingen. Das heißt zum einen, dass keine Computertricks benutzt wurden (was man dem Film auf wunderbare Weise ansieht, besonders schön bei den Wassereffekten), sich aber natürlich auch innerhalb des Films wiederfindet, wie das aufgeblasene Spielzeugboot mit Kerzenantrieb zeigt oder die Kommunikation mit dem Vater über Morsezeichen (was – wie auch schon bei Porco Rosso – viel lustiger ist als über Telefon).

Überhaupt, ist die Logik des Films, die eines Kindes und nicht die eines modernen westlichen Films, der den Einbruch der Fantasie in die Realität üblicherweise viel stärker zum Thema macht. Hier wird das Phantastische ganz selbstverständlich gezeigt und auch von den Erwachsenen akzeptiert, ohne Diskussion. Die Dramaturgie ist eher unwestlich und bietet, mangels rein böser Figuren, keinen spannenden Kampf in dem Sosuke seine Kraft entdecken muss, nein, er muss einfach zu sich und Ponyo stehen, ein echtes Happy End.

(Hier außerdem noch Fabians wunderbarer Artikel zu Miyazaki)

 

Lucy

Wie so mancher der Filme, die zur Berliner Schule gezählt werden, zieht einen dieser Film eigentlich gar nicht in sich hinein. Es werden keine der üblichen dramaturgischen Tricks angewandt um Spannung, Dramatik oder Mitgefühl zu erzeugen. Es wird vielmehr der Alltag einer 18-Jährigen Mutter in Berlin gezeigt. Keine Milieustudie mit alkoholkranker Mutter, arbeitslosem Vater und Berliner Schnauze, überhaupt, wenig Berlin in diesem Film (was gut ist) dafür viel deutscher Alltag und ganz wunderbar unbekümmerte Laiendarsteller.

Die Probleme, die die meisten mit solchen Filmen haben sind klar, was kann einen an so einem Film dann doch anziehen? Zunächst einmal braucht es solche Filme um von diesem ganzen hysterischen Quatsch wegzukommen, also als Gegengewicht, aber auch um noch ein adäquates Bild dessen zu bekommen, was in Deutschland vorgeht und wie das Leben hier aussieht, jenseits von Klischees und standardisierten Bildern.

Es ist auch mal angenehm einen Film zu sehen, der nicht nur von plot point zu plot point geht, sondern sich treiben lässt und nicht alles für maximalen dramatischen Effekt benutzt.

So wie in der Szene als sie ihrem neuen Freund die Tochter, überrascht von seinem unerwartetem Besuch, als seine Schwester vorstellt. Das könnte nun zu einem klassischen Konflikt führen, mit Enthüllung der Wahrheit und aggressivem Ausbruch, etc. Aber nein, ein paar Sekunden später schon meint er zu ihr: „Sie ist nicht deine Schwester, oder?“ Und die Wahrheit ist da, er zeigt Verständnis. Die Probleme kommen später und anders, vermutlich auch realistischer, in jedem Fall aber wird diese klassische moderne Filmdramaturgie nicht bedient. Und das ist viel wert.

Alle Filme der sogenannten Berliner Schule über einen Kamm zu scheren ist Blödsinn, aber die Neigung, es dem Zuschauer eben nicht leicht zu machen, ihn nicht zu involvieren, sondern eher abzustoßen, haben sie dann doch irgendwie gemein. Wobei das nicht heißt, dass einem die Filme egal wären, sie machen es einem vielleicht nicht immer leicht, aber sobald man sich in einem dieser Filme wiederfindet ist man schon drinnen und merkt, dass sie etwas ganz bestimmtes getroffen haben.

So auch Henner Winckler mit diesem Film, der keine „knallharte“ Realität zeigen will und dann durch Handlung und Figuren einem doch nur das Gefühl gibt einer Handlung zu folgen, sondern vieles nur andeutet und offen lässt, auch das Ende. Verschiedene Möglichkeiten wurden aufgezeigt, es kann noch alles gut ausgehen, aber dass sie schon mal bei ihrem schlafenden Baby wartet ist bereits gut und zeigt dann sogar etwas wie eine Entwicklung in ihr selbst.

Eigentlich bilden die Filme der Berliner Schule Deutschlands Gegenwart in einer Weise ab, die ihr absolut gerecht wird und das schon seit Mitte der Neunziger. Es hat nur kaum jemand zugesehen.

* * *

The American und Ponyo laufen noch regulär im Kino, letzterer aber nur Nachmittags, im Kinderprogramm sozusagen. Bei manchem Filmen wäre das eine Frechheit, hier ist aber ehrlichgesagt verständlich. Lucy läuft höchstens ab und zu im Fernsehen und wurde letztens wiederholt. Auf DVD gibt es ihn natürlich auch. Der Trailer ist übrigens eine Frechheit und gibt den Film völlig falsch wieder mit seiner unpassenden Musik und den Schnitten, aber was soll’s, sowas gibt es ja leider öfter.

 

 

The Quintessentials: Hard Rock

12. September 2010

So melde ich mich mal wieder aus der Pause mit einer neuen Artikel-Serie, “The Quintessentials”. Fünf nicht ganz so bekannte und dennoch prägende oder einfach nur geile Beispiele eines Musikgenres. Den Anfang macht Hard Rock!

My bloody Valentine – You made me realise

The White Stripes – Hardest Button to Button

Wolfmother – Vagabond

The Datsuns – Motherfucker from Hell

The Vines – Highly Evolved

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