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Rette die Prinzessin! – Videospielintros (2)

25. März 2011

 

Diesmal also die berühmten Prinzessinnenretter. Super Mario hat keine nennenswerten Intros zu bieten, Legend of Zelda schon eher, aber das Beste ist eben das von Prince of Persia:

An und für sich ist das Intro nicht besonders spektakulär, aber es gibt gewisse Details und überhaupt die Nähe zum Stummfilm, die mir gefallen. Die Bewegungen der Figuren, die Gestiken, wofür Menschen mit Videokamera gefilmt und auf Pixel übertragen wurden, wirken zum einen natürlich sehr realistisch (was damals auch eine wirkliche Neuheit war; auch Kleinigkeiten wie das Aufheben eines Gegenstandes wurden animiert), aber natürlich auch theatralisch übersteigert.

Wie sie sich umdreht beim Knarzen der Tür; er schreitet langsam hinein, will sie ergreifen, sie weicht zurück und er, noch mit ausgestreckten Armen, bleibt stehen, reißt seine Arme nach oben und die Sanduhr erscheint. Diese einfache aber wirkungsvolle Dramatik hat durchaus Ähnlichkeit zum frühen (vielleicht auch zum expressionistischen) Stummfilm, auch dieser Bühnenartige Aufbau und die Texttafeln sprechen dafür. Überhaupt eine kleine Parallele:         So wie früher einfache bewegte Bilder begeistert haben, begeisterten später bewegte Pixel. Und Sprachausgabe gab es ja auch erst später und war zunächst noch etwas Besonderes.

Aber zurück zum Inhalt:

Der Prinz hat also seine Aufgabe: Sich selbst und die Prinzessin retten und zwar innerhalb einer Stunde.

Manchmal braucht es wirklich nicht mehr als eine elegante kleine Einführung und einen einfachen Aufhänger. Der Held muss ausbrechen und die Prinzessin retten.

Das Intro zum zweiten Teil The Shadow and the Flame dagegen ist viel zu lang, umständlich und fad. Und dazu wird es auch noch nur in Standbildern erzählt. Dafür ist der eigentliche Anfang vom Spiel als Flucht über die Dächer ganz gut gelungen.

Man hätte das Intro stark kürzen müssen und schneller zum actionreichen Anfang des Spiels kommen müssen. Ich bin kein Fan langer, ausführlicher Intros. Mag ja sein, dass man sich früher leichter hat begeistern lassen (allein von der Sprachausgabe!), aber genau betrachtet ist das schlicht eine langweilige, misslungene Inszenierung. Eigentlich noch eine Parallele zur Filmgeschichte: Frühe Tonfilme, die den Ton der technischen Neuheit wegen einsetzen und ihn nicht durchdacht in die Inszenierung einbauen wie es Fritz Lang mit M getan hat.

Der erste Teil der Prince of Persia Reihe zeigt wie’s geht.

* * *

Die Anderen Prinzessinnenretter (Mario und Link) werden auch noch besprochen, aber beim nächsten Mal. Oder irgendwann danach…

Harvest Moon: Memento Mori

16. März 2011

Der erste Teil der Harvest Moon Reihe ist 1996 für das Super Nintendo erschienen und kam mir damals wie eine revolutionäre Idee vor, einfach weil es nicht ums Kämpfen gegen die Bösen ging, sondern um das einfache Leben mit allen Entscheidungsmöglichkeiten. In der Theorie hat sich das sehr spannend angehört und auch im Nachhinein hebt sich das Spiel stark von den üblichen Bauernhof- und Wirtschaftssimulationen ab.

Denn hier wird nicht der Wirtschaftsbetrieb „Bauernhof“ simuliert, sondern das Landleben. Wenn auch stark idealisiert, um Realismus geht es ja nicht. Kein Bauernhof kommt mit 3 Kühen, 6 Hühnern und vielleicht 10 Tomaten aus. Vielleicht ist es auch eher repräsentativ zu verstehen, wichtig ist einfach, dass man selbst wirklich jede Kuh melkt, sich um alles persönlich kümmert, die Felder bestellt und aberntet. In gewisser Weise steht tatsächlich die sinnliche Erfahrung des Lebens auf dem Bauernhof im Vordergrund (soweit das eben mit dem SNES-Controller mit Steuerkreuz und Tasten möglich ist), wenn auch in sehr abstrakter Form.

Das Ziel des Spiels besteht auch weniger darin einen ertragreichen Bauernhof aufzubauen, als darin sein persönliches Glück zu erreichen. Man nimmt an Dorffesten teil, sucht sich eine Frau, entdeckt die Umgebung, gründet eine Familie und „farmt“ so vor sich hin. Stress gibt es dabei aber auch; ganz so entspannt ist das Landleben nicht unbedingt immer, die Tage sind kurz!

Harvest Moon ist also eher eine Lebenssimulation wie die Sims oder Animal Crossing, welche beide später erschienen sind. Wobei den Sims der sinnliche Aspekt fehlt; man tut die Dinge ja nicht selbst, man gibt nur Befehle und schaut zu. 1996 für das SNES erschienen (in Europa übrigens 1998 ) hat es seit dem viele Nachfolger auf diversen Plattformen gegeben. Viel geändert hat sich nicht: Vielleicht mehr Tiere, überhaupt mehr Möglichkeiten, aber immer eine „knuffige“, idealisierte Vorstellung vom Landleben und Schluss.

Was fehlt sind neue, andere Aspekte des Landlebens. Zum Beispiel der Tod in allen Formen. Keiner der Menschen im Spiel stirbt und auch die Tiere leben quasi ewig. Eine Vanitas Edition wäre mal interessant ( oder auch Harvest Moon: Memento Mori). Der Kreislauf des Lebens könnte dargestellt werden. Menschen werden geboren und sterben, Tiere auch, vielleicht kann man sie auch schlachten und mit dem Fleisch Geld verdienen. Und man selbst nimmt nur ein Menschenleben lang an diesem Kreislauf teil. Allein die Möglichkeit seine Tiere zu schlachten ermöglicht neue Fragestellungen und Thematisierungen!

Lebenssimulationen bieten noch viel mehr Möglichkeiten das menschliche Dasein zu simulieren bzw. gewisse Aspekte dessen abzubilden. Das wird kaum getan, vielleicht weil nur auf oberflächliche Möglichkeitenvielfalt geachtet wird, die verwechselt wird mit höherem Realismus. Was vielleicht fehlt (in Videospiele allgemein) ist eine Auseinandersetzung mit Kunst- und Kulturgeschichte, denn nichts anderes wäre ein Harvest Moon: Memento Mori. Die Harvest Moon Reihe hat seit dem ersten Teil kaum Neues zu bieten (ausgenommen vielleicht noch einzelne Ableger, wie für den Gamecube), nur Oberflächliches ändert sich. Ich warte, wie gesagt, noch auf die Vanitas Edition.

* * *

Noch kurz was zu FarmVille (was ich nie gespielt habe): Interessant ist hierbei eigentlich nur, dass das Spiel mit den echten sozialen Netzwerken der Spieler verbunden ist, man also mit seinen Freunden interagiert. Außerdem noch die Rolle die das Geld bei FarmVille einnimmt: man kann echtes Geld ausgeben, aber nicht erwirtschaften. Insofern (also unter wirtschaftlichen Aspekten) war wohl einzig Second Life die konsequente Weiterentwicklung der Lebenssimulationen.

Weshalb mir Harvest Moon im Gegensatz zu Spielen wie FarmVille oder die Sims, gefällt, hat wahrscheinlich mit dem idealisierten Landleben zu tun und dass es eben nicht nur aus einem Aspekt der Arbeit auf dem Bauernhof besteht. Je nach Jahreszeit und Lust und Laune sieht die Sache ganz anders aus. Überhaupt sind für eine Simulation auffällig wenig Zahlen im Spiel enthalten. Hier kann man (beinahe) wirklich entspannen.

Aber die Frage bleibt: Was will so eine Lebenssimulation überhaupt und wo liegt der Reiz?

Kurzkritik: Oben (2009)

5. Januar 2011

Der Opa, der Pfadfinderjunge, der komische Vogel und der nette, tollpatschige Hund, der eigentlich für die Bösen arbeitet: Eine seltsame Truppe, die nicht zusammenpassen sollte, aber (natürlich) wunderbar zusammenpasst. Nicht unähnlich den seltsamen Zusammenstellungen in Miyazakis Filmen (die die Leute bei Pixar bekanntermaßen stark beeinflusst haben), mit einem wichtigem Unterschied: Die stereotypischen Bösen gibt es bei Miyazaki nicht. Zumindest nicht im amerikanischen Sinne. Sie sind bei Miyazaki entweder Teil der Truppe, weil sie eben nicht richtig böse sind oder es so etwas wie das pure Böse nicht gibt. Und wenn doch, dann mit einigermaßen ernstzunehmender Agenda und einer ambivalenten Darstellung. Kindern wird keine Schwarzweißmalerei vorgesetzt, aus Angst sie zu überfordern. Nicht so Disney/Pixar: Gegen die Bösen wird gekämpft, schließlich ist was sie wollen absolut böse und irgendwann sind sie dann einfach weg. Sterben können sie  ja schlecht, wir haben es ja mit einem Kinderfilm zu tun.

Oben ist ein großartiger Film, der ein weiteres Mal zeigt, wozu die Leute bei Pixar in der Lage sind. Leider wird aber auch eine gewisse Beschränkung in der Erzählung durch typische amerikanische Eigenarten deutlich. Eigentlich soll es um ganz Anderes gehen, aber plötzlich haben wir doch wieder: Die problematische Vater-Sohn Beziehung, das Militärische und eben die absolut Bösen auf der anderen Seite; alles Dinge, die in beinahe typischer Spielberg-Manier durchexerziert werden. Spätestens wenn der Vaterersatz sein besonderes Abzeichen verleiht, ist alles klar. Schade eigentlich, da wäre mehr drin gewesen als eine kleine Variation der üblichen amerikanischen Themen, die in der ersten Hälfte auch noch gar keine Rolle spielen.

Trotz allem bleibt: Das Haus und wie es mit unzähligen Luftballons abhebt, die wunderbare Anfangssequenz, die tolle Gestik und Mimik, die weit über Witzfigurniveau ist und viele andere Details, die den Film dann doch vom Rest abheben. Hoppla, das Wortspiel war gar nicht mal gewollt.

* * *

 

Georg Seeßlen beschreibt den Film sehr schön als ein Gegenüberstehen der zwei verschiedenen Philosphien von Pixar und Disney.

Und statt dem Trailer gibt es den tollen Pogo-Remix:

Wait, Press Play! – Videospielintros (1)

12. Dezember 2010

Nach viel zu langer Pause endlich der erste Teil einer lang geplanten Reihe über Videospiel Intros.
Es geht hierbei nicht um die „besten Intros aller Zeiten!™“, sondern um eine kleine Sammlung interessanter Filmsequenzen und auch um die verschiedenen Funktionen, die so eine Einstiegssequenz haben kann. Im Grunde einfach ein paar Gedanken zu den Intros, mehr oder weniger geordnet. Vielleicht kommt dabei am Ende ja was Sinnvolles raus.

Fangen wir an mit den Intro zu Age of Empires 2 von den Ensemble Studios:

Zwei Könige die Schach spielen und parallel dazu eine Schlacht. Eine typische Rendersequenz der Zeit (das Spiel ist von 1999), Schauwerte werden ausgestellt. Das Spiel selbst sieht ja ganz anders aus, weniger spektakulär. Dort liefert eine sachlich-praktisch isometrische Perspektive hauptsächlich Überblick und ein Gefühl für den Raum. Das Intro dient also der Werbung, spannende Aufbereitung eines Strategiespiels mit großen Schlachten, packenden Actionszenen und involvierenden Einzelschicksalen.

Das Intro leistet aber viel mehr als das. Im Grunde zeigt es genau, was beim Spielen selbst passiert. Die zwei Könige spielen ja und die Schlacht spielt sich in ihrer Fantasie ab, parallel zum Spiel. Vielleicht handelt es sich auch um eine echte Schlacht, die die in das Spiel vertieften Könige ignorieren (ein wenig wie die Schachspieler in Satyajit Rays Film Shatranj Ke Khilari (The Chessplayers)). Das wäre dann vielleicht auch Kritik an der Realitätsflucht des Spielers.
Was aber eigentlich passiert ist vielmehr ein Sich-Hineindenken ins Spiel. Für den Spieler sind das nicht mehr nur Schachfiguren auf dem Brett, sondern Soldaten, Krieger und Einzelschicksale. Es ist damit nicht mehr nur ein Spiel, sondern eine Schlacht um Leben und Tod. Das eigene Leben ist dabei nicht in Gefahr, aber Gefolgsleute und Soldaten setzen ihr Leben aufs Spiel. Der besorgte Blick eines der Könige zeugt davon.

Die Dynamik der Schlacht, dieses Hin und Her, findet sich auch im Spiel wieder. Wenn man von der klassischen Situation mit zwei menschlichen Kontrahenten ausgeht, hat man es bei solchen Strategiespielen ja immer auch mit einer etwas komplexeren, aber auch stärker vom Zufall abhängigen Variante von Schach zu tun. Der Verweis auf Schach als Ursprung aller modernen Strategiespiele ist also nur folgerichtig. Videospiele können sich der Geschichte des Spieles und Spielens überhaupt auch durchaus bewusst sein.

Nur, wer beim Schach gewinnen will, denkt sich nicht in das Spiel hinein, in eine Welt mit lebendigen Figuren und Schicksalen. Man blendet alles aus und konzentriert sich auf seine Strategie, notfalls werden Figuren geopfert. So gewinnt man Kriege. Wer zu viel mitfühlt und Empathie zeigt, hat schon verloren.

* * *

So viel dazu, eine Menge andere Intros sind bereits geplant ( The Legend of Zelda, Resident Evil, Final Fantasy, etc.), Vorschläge willkommen!

The Quintessentials: Indie Pop

28. November 2010

So um die lange Trockenphase/Schreibblockade zu überwinden mal wieder ein kurzes Update. The Quintessentials: Indie Pop. Stark im Fokus “Those Dancing Days” über die auch noch ein eigener Artikel folgen wird. Irgendwann… Ein weiterer Punkt zum drauf achten, ungewöhnlich gute (und weibliche) Drummerinnen bei “Those Dancing Days” und “Smoosh”

1. Those Dancing Days – Monster & The Bird

2. Belle and Sebastien – Wrapped up in Books

3. Smoosh – Find a way

4. God help the Girl – Funny little frog

5. Those Dancing Days – Those Dancing Days (Achtung Video sehr leise)

 

Wie immer gilt, schreibt in den Kommentaren welche Lieder euch gefallen habe, welche nicht. Und falls irgendwer Wünsche für ein bestimmtes “Quintessentials” hat, dann immer her damit.

Cd-Review: David Bowie – “Heroes”

17. Oktober 2010
David Bowie - "Heroes", 1977, Digitally Remastered and reissued 1999

Nach euren zahlreichen Kommentaren gibt es jetzt die erste Review und zwar zu David Bowies “Heroes”. Es werden in der nächsten Woche dann Reviews zu Mumford & Sons, Of Montreal und MGMT folgen. Weitere Wünsche werden aber gerne noch entgegengenommen. Und nun zur Review:

 

David Bowie - "Heroes", 1977, Digitally Remastered and reissued 1999

David Bowie - "Heroes", 1977, Digitally Remastered and reissued 1999

 

David Bowie – “Heroes”

Alle Jugendlichen haben den Drang gegen ihre Eltern zu rebellieren und sich anders als diese zu Verhalten. Wir wollen beweisen, dass wir eigenständige Individuen sind und nicht wie unsere Eltern. Dabei begehen wir oft sehr dumme Fehler…

Meine Mutter war schon immer ein bekennender und begeisterter Bowie-Fan und sicherlich auch im Geiste jugendlicher Rebellion habe ich David Bowie fast 20-Jahre lang ignoriert. Erst vor ein paar Jahren fing ich an mich mit einigen Werken von Bowie vertraut zu machen, inspiriert durch die grandiosen portugiesischen Cover-Versionen von Seu Jorge. Und nun nenne ich mich mit “Heroes” mein erstes Bowie-Werk mein Eigen.

Einerseits ist es geradezu ein Affront, dass ich Bowie solange ignoriert habe, andereseits bin ich wahrscheinlich jetzt erst bereit für diese CD.  Bowies musikalisches Werk ist unter den großen musikalischen Ikonen (Beatles, Dylan, Stones etc.) das am schwierigsten zugängliche. Während wir viele große Bands und Sänger gerade deswegen erst spät für uns entdecken, weil wir seit unserer Kindheit damit bombadiert wurden, konnte ich selbst als Sohn eines Bowie-Fans ohne allzu große Kenntnisse seiner Lieder aufwachsen. (Ich kenne zumindest Niemanden, der im Schulmusikunterricht Life on Mars gesungen hat).

“Heroes” ist zudem nicht das ideale Bowie Einstiegs-Album, Mittel- und Höhepunkt seiner Berlin-Trilogie (Low, “Heroes”, Lodger wobei nur “Heroes” komplett in Berlin aufgenommen wurde) ist es ein sperriges und komplexes Werk. 4 der 10 Songs sind rein Instrumental (V-2 Schneider, Sense of Doubt, Moss Garden und NeuKöln) und bis auf den Titelsong findet sich kein offentsichtlicher Hit. Ganz im Gegenteil beim ersten Hören scheint das geradezu überirdisch einehmende “Heroes” die Luft aus dem Rest des Albums zunehmen.

Die ironische distanzierte Ballade über eine Liebe über die Grenzen der Berliner Mauer (die mir übrigens in der gemischt Deutschen Version am besten gefällt) ist eines der bekanntesten Lieder Bowies. Die sofort eingängige Melodie steht dabei im scheinbaren Kontrast zu den restlichen eher vom sperrigen Krautrock inspirierten Lieder. Bowie Ersthörer werden nach dem ersten Durchlauf der CD dazu neigen “Heroes” auf dem MP3-Spieler zu speichern und den Rest der CD irgendwo verstauben zu lassen.

Und genau an dieser Stelle bin ich dankbar, dass meine jugendliche Rebellenphase mich hat Bowie erst jetzt entdecken lassen. Den “Heroes” ist ein Album dessen musikalische Tragweite gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Denn wie so oft in Bowies Karriere ist er den Trends nicht einfach hinterhergelaufen sondern er hat sie transformiert und sich zu eigen gemacht. Die 4 vorhin genannten instrumentalen Ambient-Tracks mögen heute nichts mehr Besonderes sein, wir müssen uns jedoch verdeutlichen, dass der Begriff Ambient bis Mitte der 70er Jahre noch gar nicht existierte. Mit Low und “Heroes” half Bowie ein ganzes Genre mitzugestalten. Dennoch besitzen diese Songs auch eine eigene Tiefe und Dynamik.

Selten wurde ich so gefesselt und angezogen von instrumentalen Songs. Neuköln etwa ist wie eine Manifestation eines dunklen, wabernden Unterbewusstseins. Ein Song der sich bei jedem Hören neu zu erfinden scheint und Nuancen offenbart die man vorher nicht gehört hat. Bislang habe ich Instrumentals auf anderen Alben meist als belangloses Zwischenspiel gesehen, “Heroes” jedoch hat dies für mich völlig verändert.

Viele der anderen Vocal-Songs mögen einem, wie bereits erwähnt, als heutigem Hörer etwas langweilig vorkommen. Die dunkle Stimme Bowies, der dominante Bass, der ungewöhnlich variierte Beat auf den Tracks ist in den Zeiten des Post-Punk Revivals einfach keine Seltenheit. Die Songs bleiben allerdings nur solange unscheinbar, bis man sich vor Augen ruft, dass “Heroes” von 1977 ist. 2 Jahre bevor Love will tear us apart geschrieben wurde, ungefähr zur selben Zeit als der Begriff Post-Punk zum ersten Mal verwendet wurde. Das Bowie auch der Prototyp aller Künstler war, die nach Berlin strömten um dort ein Album voller Hommagen an die Stadt aufzunehmen braucht wohl nicht näher ausgeführt zu werden (vgl. Bloc Party, The Rakes, The whitest Boy alive, R.E.M). Das Bowie somit auch einer der größten Begründer des New Wave war, war sogar mir bis dato nicht bewusst (Und das obwohl ich einen Artikel über die Geschichte des Genres geschrieben habe). Das sich Bowie dieser Genre-Einteilung jedoch entzieht, versteht sich von Selbst. Sein Label bewarb “Heroes” übrigens mit dem Marketingslogan: “There is Old Wave. There is New Wave and there is Bowie…”.

Es wurde einmal gesagt, dass David Bowie Rock Musik sophistiziert hat und Bowie Autobiograph Thomas Forget behauptete, dass sich heutzutage kein Künstler findet der nicht von Bowie inspiriert wurde. Beide Aussagen bestätigen sich auf “Heroes”. Ein großartiges Album, nur merkt man das nicht ohne Nachzudenken. Ein Album dessen Einflüsse noch Heute resonieren. Ein David Bowie Album…

Track Listing:

  • “Beauty and the Beast” – 3:32
  • “Joe the Lion” – 3:05
  • “‘Heroes’” (Bowie, Brian Eno) – 6:07
  • “Sons of the Silent Age” – 3:15
  • “Blackout” – 3:50
  • “V-2 Schneider” – 3:10
  • “Sense of Doubt” – 3:57
  • “Moss Garden” (Bowie, Eno) – 5:03
  • “Neuköln” (Bowie, Eno) – 4:34
  • “The Secret Life of Arabia” (Bowie, Eno, Carlos Alomar) – 3:46

Empfehlungen:

  • “Heroes” siehe Oben
  • Neuköln:
  • Blackout:

Bowie related Disclaimer:

An dieser Stelle nochmal ein Hinweis, David Bowie wechselte seinen Stil fast mit jedem Album. Wem “Heroes” geschmacklich also nicht zusagen sollte, der sollte zumindest ein oder zwei Songs aus Bowies anderen Phasen anhören bevor er Bowie für immer abschiebt. Meine Tipps wären:

  • Station to Station oder Fame aus seiner Thin White Duke Phase; Funk/Soul (Station to Station, Young Americans die Phase vor seiner Berlin-Trilogie)
  • Life on Mars und Ziggy Stardust aus seiner Ziggy Stardust Phase; Glam Rock (Hunky Dory, The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars)

CD-Reviews: Abstimmung

15. Oktober 2010

Ich habe mir dieses Jahr soviele CDs gekauft wie schon lange nicht mehr und würde gerne zu ein paar dieser CDs Reviews schreiben. Da ich nicht zu allen was schreiben kann und eigentlich alle Interessant finde, dachte ich, ich geb es mal zur Abstimmung frei.

Einfach in den Kommentaren schreiben, welche der unten aufgeführten CDs euch am meisten reizen:

 

  • Sonic Youth – Goo
  • David Bowie – Heroes
  • Metric – Live it out

 

  • The Smiths – Hateful of Hollow
  • Babyshambles – Down in Albion
  • Scott Pilgrim vs. the world OST

 

  • Pete Doherty Grace/Wastelands
  • Of Montreal – Skeletal Lamping
  • Of Montreal – The Sunlandic Twins

 

  • Aracde Fire – Funeral
  • Arcade Fire – Neon Bibel
  • Kings of Convenience – Declaration of Dependence

 

  • Beirut – Gulag Orkestar
  • Beirut – The Flying Club Cup
  • MGMT – Oracular Spectacular

 

  • Mumford & Sons – Sigh no more
  • Phoenix – Wolfgang Amadeus Phoenix
  • Wilco – Yankee Hotel Foxtrott

 

  • The New Pornographers – Twin Cinema
  • The New Pornographers -Challengers

 

20 CDs in 10 Monaten, was einen wahnsinnigen Schnitt von 2 CDs pro Monat bedeutet @_@ Ich sollte mich mal zügeln… nichtsdestotrotz eine interessante Sammlung die es verdient an einigen Stellen näher besprochen zu werden.

 

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